Die Konzeption der WERTstatt geht in den Endspurt! Ein spannender, manchmal auch herausfordernder Prozess: Aus vielen Ideen (z. B. Übungen zur Reflexion und Wissensinputs), theoretischen Überlegungen (z. B. Konstrukte zur Evaluation), praktischen Anforderungen (z. B. die Gestaltung der Lernplattform) und dem gesammelten Feedback aus unserem Student Advisory Board und den Ergebnissen der Bedarfsanalyse entsteht nach und nach ein digitaler Lernraum – unsere WERTstatt: Hier haben Studierende die Gelegenheit, eigenständig sowie in Kleingruppen in einem von Tutor*innen angeleiteten Rahmen ihre eigenen Werte erkunden, einen souveränen Umgang mit Wertkonflikten zu entwickeln, konkrete Ansätze praktisch auszuprobieren und dabei möglichst viel in Kontakt und Austausch mit anderen Studierenden zu kommen.
Schon in der Konzeption zeigt sich, wie komplex dieses Vorhaben ist. Arbeit mit Werten ist meist sehr individuell und teilweise abstrakt – sie lebt von Reflexion, von Begegnung und von Prozessen, die nicht vollständig planbar sind. Gleichzeitig ist unser Anspruch an ein Projekt wie die WERTstatt eine theoretische Fundierung, konkrete Ziele und eine klare Struktur.
„Die größte Herausforderung in der Konzeption der WERTstatt ist, Offenheit und Struktur miteinander zu verbinden. Wir wollen einen Raum schaffen, der evidenzbasiert und fundiert aufgebaut ist, also genug Halt bietet, um Orientierung zu geben und gleichzeitig genug Freiheit lässt, damit Reflexion und Entwicklung möglich werden. Dieser Balanceakt begleitet uns durch den gesamten Entwicklungsprozess.“
Stefanie Gellner, Projektleitung WERTstatt
Spätestens an dieser Stelle stellt sich eine zentrale Frage: Wie können wir die Wirkung der WERTstatt erfassen? Diese Frage adressieren wir mit der Evaluation.
Evaluation in Community Settings
Die Evaluation von community-basierten Programmen und Interventionen gehört zu den zentralen Aufgaben der Community Psychology. Gleichzeitig ist sie alles andere als trivial. Denn sie erfordert ein gutes Verständnis des Anwendungskontexts, seiner Dynamiken und der Menschen, die darin eingebunden sind.
Ein zentraler Grundsatz lautet: Evaluation sollte nicht erst am Ende, sondern idealerweise von Beginn an mitgedacht werden. Das bedeutet zum Beispiel, ein Evaluationsdesign frühzeitig zu planen, etwa in Form eines Vorher–Nachher-Vergleichs, und auf Basis eines Wirkmodells klare Indikatoren zu formulieren: Woran erkennen wir, dass die Maßnahme wirksam war? Können wir die Mechanismen erfassen, von denen wir annehmen, dass sie zu den gewünschten Veränderungen führen?
Standards für Evaluation
Die DeGEval (2016) formuliert vier zentrale Standards für Evaluationen:
- Nützlichkeit
Sicherstellen, dass sich die Evaluation an den Informationsbedürfnissen der vorgesehenen Nutzer*innen orientiert
- Genauigkeit
Verwendung zuverlässiger Informationsquellen und angemessener Methoden
- Durchführbarkeit
Kostenbewusstes Vorgehen und Minimierung von Belastungen und Störungen
- Fairness
Einhaltung ethischer Richtlinien und eine unparteiliche Berichterstattung
Diese Standards bilden auch für unsere Evaluation der WERTstatt einen wichtigen Orientierungsrahmen.
Besonderheiten im Community Kontext
Programme, Projekte oder Initiativen auf Community-Ebene bringen einige Besonderheiten mit sich (Green & Tones, 2013). Sie sind häufig vielfältig in ihren Ausprägungen, begrifflich nicht immer eindeutig gefasst und können in ihren Wirkungen nicht klar einer einzelnen Ursache zugeschreiben werden.
Green und Tones (2013) empfehlen, Evaluationen in Community Settings besonders kontextsensible zu gestalten. Konkret heißt das:
- sich an den Bedarfen der Nutzenden zu orientieren,
- verfügbare Ressourcen realistisch zu berücksichtigen und
- die Logik des Programms ernst zu nehmen: Auf Basis einer klaren Programmtheorie bzw. eines Wirkmodells zu untersuchen, welche Aspekte eines Programms welche Wirkungen entfalten.
„Aus wissenschaftlicher Sicht sind Evaluationen herausfordernd, weil Interventionen wie die WERTstatt in praktischen, vom Alltag geprägten Kontexten umgesetzt werden. Veränderungen lassen sich daher selten eindeutig einer einzelnen Maßnahme zuschreiben.Außerdem hängen die Interventionsziele zumeist mit komplexen und mehrdimensionalen Konstrukten zusammen. Sie lassen sich nur begrenzt standardisiert erfassen und die Zielerreichung entwickelt sich unter Umständen nur langsam und nicht linear. Kurzfristige Messungen allein bilden diese Prozesse nur unvollständig ab. Evaluation bewegt sich oft im Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichem Anspruch und praktischer Machbarkeit.“
Verena Ohanian, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt
Genau diesem Spannungsfeld begegnen wir mit unserem Evaluationskonzept: Auf Basis eines Wirkmodells kombinieren wir quantitative und qualitative Methoden, um ein möglichst vollständiges Bild der Wirksamkeit der WERTstatt zu gewinnen. Die so gewonnenen Erkenntnisse sind nicht nur ein wissenschaftlicher Befund, sondern auch eine praktische Grundlage: Sie helfen uns zu verstehen, was für wen unter welchen Bedingungen funktioniert – und damit auch, wie die WERTstatt künftig weiterentwickelt und möglicherweise auch längerfristig verankert werden kann.
Im April startet die Anmeldung zur WERTstatt. Der 8-wöchige Kurs beginnt mit dem Sommersemester 2026. Wir sind sehr gespannt, wie das Konzept von den Studierenden angenommen wird und wünschen allen Teilnehmenden bereits jetzt eine inspirierende und produktive gemeinsame Zeit!
Von: Charlie Albrecht
Literatur
DeGEval–Gesellschaft für Evaluation e.V. (Hrsg.). (2008). Empfehlungen für die Aus-und Weiterbildung in der Evaluation. Anforderungsprofile an Evaluatorinnen und Evaluatoren (2., unveränd. Aufl.). DeGEval.
Green, J., & Tones, K. (2013). Health promotion: Planning and strategies (3rd ed.). SAGE Publications.





